911 GT3 RS – Erprobt und getestet

Eine Kältewelle hatte Stuttgart fest im Griff, als ich an diesem Nachmittag in einem der abgeschotteten Bereiche des Hauptquartiers in Zuffenhausen einen ersten Blick auf den 911 GT3 RS werfen durfte. Das Auto wartete im Werk 1 auf mich – brandneu und in einem strahlenden Weiß, meiner Meinung nach die perfekte Farbe, um die vom Rennsport inspirierten Karbonelemente zur Geltung zu bringen. Das Auto wurde extra für mich vorbereitet und der mir erteilte Auftrag war relativ einfach: Dreh ein paar Runden mit ihm.

Nach einer kurzen Nacht in Stuttgart bin ich also früh aufgestanden, setzte mich für meine erste längere Schicht ans Steuer und machte mich auf den Weg zu einem Freund in Villars-sur-Ollon. Ich hatte vier Tage Zeit, und die GT-Abteilung erwartete sich bei meiner Rückkehr einen Kilometerstand von mindestens 2.000. Manchmal muss man ganz einfach tun, was einem aufgetragen wird.

Ich begab mich geradewegs in den Verkehr der Stuttgarter Innenstadt. Aber nur für kurze Zeit. Die deutsche Autobahn lockte. Es dauerte nicht lange, bis sich die Tachonadel weit nach rechts bog. Ich war vor allem von der Stabilität des Autos stark beeindruckt. Ein anderer Überraschungsfaktor war der Sound. Bei dem leichten Auto mit reduzierter Schallisolierung bildet der Klang des GT3 RS eine perfekte Balance zwischen rauen Emotionen und angenehmem täglichen Komfort – sogar bei hohen Geschwindigkeiten.

Mark Webber, 911 GT3 RS, 2018, Porsche AG

Der Auftrag: Dreh ein paar Runden mit dem 911 GT3 RS

Nachdem ich vier Stunden lang Kilometer zurückgelegt hatte, musste ich schließlich anhalten, um das erste Mal aufzutanken. Als ich vom Händewaschen zurückkam, fand ich das Auto von Leuten umstellt, die Fotos schossen und Fragen stellten. Wie sich zeigte, war der bis dato noch nicht lancierte GT3 RS schon ein Star. Und ganz bestimmt kein Auto, mit dem man sich unbemerkt fortbewegt.

Die letzten zehn Kilometer hinauf nach Villars sind extrem steil und von Serpentinen sowie anspruchsvollen Haarnadelkurven geprägt. Hier bot sich also die erste Gelegenheit, um Agilität und Bremsung des RS zu testen. Nach einer Selfie-Einlage habe ich wieder Gas gegeben und Höhenmeter nach Höhenmeter erklommen. Die Lenkreaktion, die Präzision und die Sicherheit, die mir das Auto vermittelt hat, waren enorm. Je höher ich fuhr, umso mehr Schnee befand sich am Straßenrand, dennoch habe ich mich sicher fortbewegen können. Bei dem Tempo ging der erste Tag viel zu schnell vorbei. Die Strecke hätte in diesem Auto zweimal so lang sein können.

Für Tag zwei sah der Plan aber auch vielversprechend aus: von der Schweiz nach Monaco und durch den Mont-Blanc-Tunnel. In Südfrankreich waren mir die Straßen wohl vertraut und die Hügellandschaft hinter Monaco war einfach perfekt, um die Agilität des RS zu testen. Der ideale Zeitpunkt, um das Fenster einen Spalt zu öffnen und den Schall des Auspuffs zu hören, der von den Wänden des Tunnels abprallte und ein wunderbares Echo erzeugte. Ich bin mir sicher, dass den Nachbarn meine Ankunft nicht entging, sogar unter den Luxuskarossen Monacos fiel dieser Sechszylinder auf. In der Nacht brachte ich ihn in der Tiefgarage unter und schaute dann bei ein paar Freunden vorbei.

Mark Webber, 911 GT3 RS, 2018, Porsche AG

Auf Mark Webber wartete ein brandneuer 911 GT3 RS in einem strahlenden Weiß

Es wurde ein richtig netter Abend, der am dritten Tag einen etwas späteren Start zur Folge hatte. Kurz nach 14 Uhr bewegte ich mich langsam aus der Stadt und fuhr Richtung Parma. Dieser Abschnitt des Trips wurde zum langsamsten Teil, die Bedingungen waren etwas heimtückisch. Ich bin eine ganze Zeit hinter einem Schneepflug hergefahren, der die Straßen nach Italien freimachte. Doch die Stereoanlage sorgte für Unterhaltung, während der RS mit seiner Winter-Bereifung keine Mühen hatte.

Auf der stark befahrenen Autostrada ging es langsam, aber ruhig voran und ich kam rechtzeitig zum Abendessen in Parma an. Meine Freunde dort haben auch eine Motorsport-Vergangenheit und wollten mit dem GT3 RS natürlich auch eine Spritztour unternehmen. Für einen von ihnen war das PDK etwas Neues, er konnte die Geschwindigkeit dieses Systems einfach nicht fassen. Ich meinte zu ihm „Paolo, mein Freund, bei Porsche ist das normal“, als wir aus einem nassen Kreisverkehr fuhren und auf 9.000 Umdrehungen beschleunigten. Die Bedingungen wären für jedes Auto eine Herausforderung, doch der RS stellte sich diesen mit Bravour.

Tag vier war der letzte, den ich mit dem Auto verbrachte – von Parma zurück nach Stuttgart, der längste Einzeltrip von etwa sieben Stunden. Zwei Dinge waren auf dieser Strecke recht interessant zu beobachten: Ich war stolze vier Stunden und 45 Minuten gefahren, bis die Natur rief und ich eine Pause einlegen musste. Meine Beine, mein Rücken und mein Hinterteil waren völlig in Ordnung, als ich aus dem Auto kletterte. Die Fahrerposition war in Bezug auf Komfort und Ergonomie einfach perfekt für mich.

Die andere Überraschung auf dem Rückweg war, dass ich von Parma bis Stuttgart mit einem einzigen Tank auskam, obwohl ich den 4,0-Liter-Wagen einer weiteren gehörigen Trainingseinheit aussetzte. Das Tanken war auch dieses Mal wieder mit jeder Menge Fachsimpeln und ein paar fröhlichen Selfies verbunden, doch die 5 Grad minus trieben uns dann doch alle zum Weiterkommen an.

Dienstagabend kam ich also wieder in Zuffenhausen an und gab etwas wehmütig die Schlüssel zurück. Ich bin unheimlich stolz auf die Leistung des GT-Teams und darauf, was es mit dem GT3 RS zustande gebracht hat: ein leichtes, hochtouriges, sagenhaft anpassungsfähiges und dennoch höchst charakterstarkes Straßenauto. Ich muss noch ein paar Wochen warten, um zu sehen, wie er auf der Rennstrecke abschneidet, aber ich habe schon eine ganz gute Vorstellung davon. Es bleibt spannend.

übermittelt durch die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Author: Mobile-Magazin

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